Ein Interview mit David Novak zum Buch „Wasserstoff“
Im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie bezeichnet die Bundesregierung Wasserstoff als „Energieträger der Zukunft“. Herr Novak, Sie haben zusammen mit Ihrem Kollegen Christian Synwoldt das Buch „Wasserstoff: Technik, Projekte, Politik“ geschrieben.
Für wie wichtig halten Sie Wasserstoff im zukünftigen Energiemix?
Wasserstoff (H2) wird unseres Erachtens der Energieträger des 21. Jahrhunderts. Und das begründen wir in unserem Buch. Die Energiewende kommt jetzt bzw. muss jetzt kommen. Jegliche weitere Verzögerung führt zu einer unnötigen zeitlichen Ausweitung der anthropogenen Erdüberhitzung. Und die Verbrennung karbonbasierter Energieträger muss ein für alle Mal aufhören – weltweit und je früher, desto besser.
Bitte beschreiben Sie uns die inhaltlichen Schwerpunkte des Buches.
Der erste Teil befasst sich mit Naturwissenschaft und Technik des Energieträgers Wasserstoff. Hier sollen die interessierten Leserinnen und Leser einen Eindruck von der technischen Basis bekommen. Der zweite Teil handelt von den geplanten oder im Aufbau befindlichen Projekten, von der Politik, die hier handelt bzw. die Grundlagen zum Handeln legt, von den involvierten Firmen national, EU-weit und global, aber auch von den politischen Programmen, die den Aufbau der Wasserstoff-Wirtschaft proaktiv begleiten bzw. die juristischen Grundlagen dafür schaffen. Am Ende des Buches gibt es noch eine Auswertung einer selbst durchgeführten Umfrage mit durchaus sehr interessanten Ergebnissen, von denen hier zwei herausgegriffen seien:
- Stromwende ist gut und die Anwendungen, bei denen unser erneuerbarer Strom vorrangig eingesetzt werden kann, sind zu verfolgen – aber es reicht eben nicht zur Dekarbonisierung aller Bereiche und Sektoren. Daher brauchen wir eine Energie- und Klimawende – und die gelingt nur unter industriellem Einsatz und Anwendung von Wasserstoff.
- Grüner Wasserstoff kann einen großen Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie, sowie Mobilität leisten. Wichtig ist, dass Großprojekte für die Herstellung von grünen H2 schnellstens umgesetzt und nicht durch Hürden in der Regulatorik/Gesetzgebung blockiert werden.
Jedes Kapitel endet mit einer thesenförmigen Zusammenfassung. Das macht es für diejenigen leichter zu lesen, die sich nur auf Kernaussagen konzentrieren wollen und können.
Worin bestehen Ihrer Ansicht nach die größten Hürden zur Etablierung einer Wasserstoffwirtschaft?
Ich sage zuerst, was es nicht ist: Wissen, Können oder Geld. All‘ das sind nicht die Hindernisse. Es war bisher schlichtweg die fehlende Erkenntnis in der Politik, letztlich wohl auch bei der Wirtschaft, und die Problematik des mangelnden Angebots von H2. Das Festhalten am bisher Bewährten („was gestern richtig war, kann heute nicht falsch sein“) ist ein altbekanntes Problem. Und sagen wir es deutlich: Je älter die Entscheider, umso weniger sind sie in der Regel zukunftsorientiert und umso weniger sind sie risikofreudig. Es wurde hier höchste Zeit, die Segel neu zu setzen. Und oh Wunder: Wie wir sehen – es funktioniert. Der unerträgliche und unmenschliche Ukraine-Krieg mag hier zusätzlich diese Entwicklung massiv beschleunigt haben. Plötzlich wollen alle auf den fahrenden Zug aufspringen – gut so!
Was – und wen – möchten Sie mit Ihrem Buch erreichen?
Es sollen die Praktiker angesprochen werden: die Politikerinnen und Politiker, die über Gesetzesvorhaben abstimmen, die aktionsorientierten Manager und die Mitarbeitenden der staatlichen Verwaltungen und Unternehmen, die die Vorhaben umsetzen. Ausdrücklich dürfen auch Studierende aller Art es für ihre wissenschaftlichen Arbeiten verwenden – die 500 Seiten haben viel Inhalt.
Mehr erfahren im Buch: Synwoldt, Novak, Wasserstoff, Wiley-VCH, 2022, 978-3-527-34988-3
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