Ein Interview mit Dr. Volkmar Denner, Robert Bosch GmbH
Wie kamen Sie damals zu Bosch?

Nach meiner Promotion wäre ich gerne Professor für theoretische Physik geworden. Aber zu der Zeit gab es an
der Universität nur befristete Stellen. Da ich eine Familie gründen wollte, schien mir das keine solide Basis zu sein.Bosch bot mir die Möglichkeit, in der Halbleitertechnologie an vorderster Front der Technik zu arbeiten, und so habe ich den Wechsel in die Industrie gewagt.Das war ein ziemlicher Sprung von der theoretischen Physik in die Halbleiterentwicklung…

Ich hatte im Studium Halbleitertechnik als Wahlfach und somit Berührung zu dem Thema. Meine ersten Arbeiten bei Bosch waren zudem Simulationen von Halbleiterprozessen. Das war ähnlich zu dem, was ich an der Universität gemacht hatte.

Was waren Ihre wichtigsten beruflichen Stationen?

Ich habe als Fachreferent in der Mikroelektronik begonnen. Anschließend habe ich den Geschäftsbereich gewechselt und mich mit Motorsteuerungen für Benzinmotoren beschäftigt. Später habe ich den Bereich Automotive Electronics geleitet, bis ich 2006 in die Geschäftsführung berufen wurde. Seit 2012 bin ich deren Vorsitzender. Ich habe bei Bosch sämtliche Führungsstufen durchlaufen –
mit der Mikroelektronik als rotem Faden.

Das klingt sehr geradlinig.

Eher ungewöhnlich war allerdings, dass ich immer relativ lange in meinen Aufgaben verweilt habe – auch zu einer Zeit, in der es bei Bosch üblich war, alle drei Jahre zu wechseln. Ich bin jemand, der gerne Dinge verändert. Und ich halte es für nicht richtig, seine Mitarbeiter in einebestimmte Richtung zu lenken und mitten in der Umsetzung zu gehen.

Welche Fähigkeiten muss man mitbringen für einen solchen Karriereweg?

In einem Technologieunternehmen wie Bosch zählen inhaltliche Tiefe, also sehr gutes fachliches Können, sowie eine hohe analytische Fähigkeit. Außerdem gehört die Hartnäckigkeit dazu, auch dicke Bretter zu bohren und sich von Rückschlägen nicht gleich abschrecken zu lassen. Wir erwarten von unseren Mitarbeitern die Neugier, neue Lösungen zu entwickeln, sowie den inneren Antrieb, die Welt verbessern zu wollen.

Wie sieht es mit Führungsqualitäten aus?

In der Führungsarbeit ist für mich Lösungsorientierung wichtig. Dazu zählt auch, einen Diskurs zu pflegen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der Mitarbeiter sich trauen zu widersprechen – weil die beste Lösung im Vordergrund steht und Hierarchie dabei keine Rolle spielt. Außerdem gehört das lebenslange Lernen dazu, das ich auch an der Spitze vorleben möchte: Ich bilde mich regelmäßig weiter
und lese aktuelle Fachbücher.

Das klingt prädestiniert für einen Physiker.

Das stimmt, denn wir Physiker wissen, was wir nicht wissen. In einer verantwortungsvollen Rolle darf man nicht die Dinge überschätzen, die man kontrollieren kann.

Was sind Ihre Aufgaben als Vorsitzender der Geschäftsführung?

Als CEO habe ich die Verantwortung für das ganze Unternehmen. Zudem bin ich nicht nur Vorsitzender der Geschäftsführung, sondern auch Gesellschafter von Bosch. Ich halte engen Kontakt zur Bosch-Familie und sehe es als meine Aufgabe an, das Traditionsunternehmen in eine gute Zukunft zu führen, es also technisch an der Spitze zu halten und kulturell weiterzuentwickeln.