Portrait Nobelpreisträgerin Anne L'Huillier
Frauen, die zum wissenschaftlichen Fortschritt beitragen, mussten und müssen oft viel härter um die Anerkennung ihrer Leistungen kämpfen als ihre männlichen Kollegen. In unseren Porträts der Science heroines haben wir einige von ihnen vorgestellt. Und etwa die Biografie von Rosalind Franklin zeigt: Selbst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es noch krasse Beispiele für die Missachtung von Wissenschaftlerinnen.

Anne L’Huillier und der Nobelpreis für Physik

Umso mehr Freude macht es, hier mit Anne L’Huillier eine Wissenschaftlerin zu präsentieren, die nicht nur weltweit anerkannt ist, sondern 2023 sogar mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde – als erst fünfte Frau überhaupt. Anne L’Huillier erhielt den Nobelpreis zusammen mit Pierre Agostini und Ferenc Krausz „für experimentelle Methoden zur Erzeugung von Attosekunden-Lichtimpulsen für die Untersuchung der Elektronendynamik in Materie“. Denn das Erzeugen dieser extrem kurzen Lichtblitze ermöglicht es, die Bewegungen von Elektronen nachzuvollziehen – die sich in einer aus menschlicher Sicht absolut irrsinnigen Geschwindigkeit abspielen.

In Attosekundenschnelle

Geboren wurde Anne L’Huillier 1958 in Paris. Ihre Entscheidung für die Wissenschaft wurde u.a. inspiriert von der Geschichte ihres Großvaters, der mit seinem Wissen über Radiotechnik den Kampf der französischen Résistance gegen den Nationalsozialismus unterstützte. Eine Besonderheit ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist, dass sie sowohl experimentell als auch theoretisch forscht. So entdeckte sie bereits 1987, dass eine Art Obertonschwingungen entsteht, wenn man Infrarot-Laserlicht durch ein Edelgas schickt. Diese Schwingungen korrespondieren mit einer Serie von extrem kurzen Lichtimpulsen im ultravioletten Spektralbereich. Zeitlich werden sie in Attosekunden gemessen; eine Attosekunde entspricht dem Milliardstel einer Milliardstelsekunde.

Grundlagenforschung par excellence

Das hat mit Anschaulichkeit und menschlicher Wahrnehmung nichts mehr zu tun – ist aber Grundlagenforschung par excellence. Denn die Arbeit von Anne L’Huillier und ihren Kollegen erlaubt die Untersuchung ultraschneller (Elektronen-)Dynamik, etwa mit Hilfe von Pump-Probe-Techniken. Damit trägt sie u. a. zum Verständnis chemischer Reaktionen bei oder eröffnet neue Erkenntnisräume für die Festkörperphysik.

Eine ungewöhnliche Vorlesung

Anne L’Huillier ist mit einem schwedischen Physiker verheiratet und lehrt an der Universität Lund. Die Nachricht, dass ihr der Nobelpreis zugesprochen wurde, erreichte sie in der Pause einer Lehrveranstaltung. Nach einer kurzen Unterbrechung, in der die Studierenden sie feierten, setzte sie die Veranstaltung fort. Klar: (The) Science must go on.

Wer mehr über Pump-Probe-Techniken erfahren möchte, kann Foundations of Nonlinear Optical Microscopy von Eric Olaf Potma zur Hand nehmen. Und immer einen Besuch wert sind, na klar: unsere Science heroines.

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