Es gab eine Zeit, und es ist noch gar nicht so lange her, dass es an Physikfakultäten deutscher Universitäten noch keine Vorlesung zur Biophysik gab und Physikstudierende eher skeptisch, gar herablassend auf die Biologie schauten. Mit dem, was kreucht und fleucht, hatte ihre hehre, durch und durch quantitative Wissenschaft der unbelebten Materie doch nichts zu schaffen. Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass natürlich auch biologische Prozesse durch universelle Prinzipien der Physik bestimmt sind und durch deren Analyse besser verstanden werden können. Dies ist nicht zuletzt Forschenden und Lehrenden zu verdanken, die durch enge Zusammenarbeit die Fach- und Fakultätsgrenzen sprengten und der Biophysik als eigenständigem Forschungs- und Lehrgebiet zur Genese und zum Durchbruch verhalfen. Inzwischen können Studierende der Physik an fast allen Universitäten Biophysik als Wahl- oder Wahlpflichtfach belegen, und nicht wenige erliegen der Faszination dieses in ständiger Entwicklung begriffenen Gebiets, so dass sie ihren akademischen Schwerpunkt darauf legen. Da ist noch so viel unverstanden, und es gibt noch so viel zu entdecken! Und schließlich profitiert die Biologie ja auch vom „physikalischen Blick“.
Der Einstieg gelingt mit der nun vorliegenden zweiten Auflage des „Lehrbuchs der Biophysik“ von Erich Sackmann, dem Pionier der Biophysik in Deutschland, und Rudolf Merkel, seinem akademischen Schüler, Direktor des Instituts für Biologische Informationsprozesse am Forschungszentrum Jülich.
In den sozialen Medien kursiert der inzwischen zum Meme geronnene Scherz von Posterinnen und Postern, dass alles, was sie aus dem Biologie-Unterricht in der Schule mitgenommen hätten, Erinnerungen an das „endoplasmatische Retikulum“ und den unvergesslichen Satz „Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen“ seien, oft verbunden mit der Aussage, sie hätten lieber etwas über Steuern und Versicherungen gelernt. Wirklich?

Abbildung: M – Mitochondrien, ER: endoplasmatisches Retikulum
Ja, sowohl das „endoplasmatische Retikulum“ und der Satz „Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen“ tauchen – natürlich – auch im „Lehrbuch der Biophysik“ auf. Das erste Mal auf den Seiten 34 und 35 von über 1000. Daran sieht man: Dieses Lehrbuch ist für diejenigen Studierenden geeignet, die tief und weit jenseits auswendig gelernter, unverstandener Begriffe und Phrasen in die Biophysik einsteigen wollen. Dafür steht am Ende, um nur ein paar Beispiele zu nennen, das Verständnis des Hör- und Sehsinns, der Proteinfaltung, der Physiologie der Nervenleitung und der Anatomie und Funktion von Muskeln. Dafür lohnt sich ein gründliches Studium, oder?
Mehr Information dazu in:
Wieso ist das Wetter im April so unbeständig?
Das sprichwörtliche launische Aprilwetter ist in Europa ein lange bekanntes Phänomen. So wussten schon unsere Vorfahren: „April, April, der macht, was er will.“ Der Grund dafür ist, dass sich die Luftmassen auf der Nordhalbkugel nach dem Winter je nach Region...
Was ist aus biologischer Sicht das Besondere an Frühblühern?
Frühblüher treiben schon aus, wenn es noch kalt ist und andere Pflanzen und insbesondere Bäume noch keinen ausgeprägten Blattwuchs haben – das Sonnenlicht dringt dann noch weitgehend ungehindert zu ihnen durch. Das Besondere an Frühblühern ist, dass sie Licht und...
Wie übernimmt die Chemieindustrie Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft?
Die chemisch-pharmazeutische Industrie leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz. Neue Produkte, innovative Verfahren und Geschäftsmodelle ermöglichen es, den Energieverbrauch zu senken und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren....
Welche Ideen haben KI möglich gemacht?
Bereits Ende der 1940er Jahre dachte Donald Hebb über die Lernfähigkeit eines Netzes aus simulierten Neuronen nach. Später wurde dann, basierend auf diesem Gedanken und mit Hilfe eines mathematisch recht einfachen Ansatzes, das „machine learning“ entwickelt. Dabei...
